Tarot
Mitte der 70er-Jahre kam das Rider Waite Tarot in mein Leben. Kartenlegen hatte mich von Kindheit an faszinierte, denn eine meiner Tanten machte das, allerdings mit Skatkarten. Natürlich habe ich in meinen frühen Teenager Jahren auch damit herumgespielt, doch so richtig in Verbindung kam ich nicht damit. Dann sah ich in einem Geschäft ein Rider Waite Tarot, kaufte es und als ich mir die Karten ansah, eröffneten sich mir Welten. Da es zu der Zeit zwar Karten, aber außer einer Art Waschzettel keine Erklärungsbücher gab, war ich auf mich gestellt. Ich begann damit jeden Tag eine Karte zu ziehen und mit dieser zu meditieren. Meine Gedanken dazu schrieb ich auf. Später, als es denn endlich Literatur gab und ich deren Erklärungen zu den Karten mit meinen Aufzeichnungen verglich, stellte ich fest, dass ich die Karten recht gut erfasst hatte. Mit anderen Worten, ich möchte Neulingen in Sachen Tarot raten ähnlich vorzugehen. Jeden Tag eine Karte und über dieser meditieren. Eventuelle mythologische oder theologische Unterfütterung kommt so nach und nach ganz von selbst. Es ist eher das regelmäßige in Verbindung treten mit den Karten, als das Auswendiglernen von Texten und Bezügen.
Doch eine kleine Orientierierungshilfe will ich geben. Als Grundlage nehme das Druidcraft-Tarot, weil es sich am leichtesten auf die eher traditionellen Decks, wie das Rider Waite übertragen lässt. Mittlerweile arbeite ich neben dem Druidcraft am meisten mit dem Wildwood Tarot, zu dessen Besonderheiten ich extra schreibe.
Klassisch setzt sich ein Tarot-Set aus 78 Karten zusammen. 22 große Arkana, 16 Hofkarten und 40 kleine Arkana.
Bevor wir uns den Karten und der Symbolik widmen, erst einmal eine Einführung in die Symbole und die Numerologie.
Symbolik
Stäbe/Feuer: Intuition, Leidenschaft
Schwerter/Luft: Geist, Intellekt, Logik
Kelche/Wasser: Das Herz, Gefühle, Emotionen
Scheiben/Erde: Materie, Festigkeit, Wachstum
Mit der Zahlenkunde und der Symbolik, hat man die Grundlagen zum Deuten der kleinen Arkana. Der Rest sind Intuition und Gefühle, die die Bilder auslösen.
Kleine Numerologie
0 = Der Ursprung
1/Ass = Anfang, alles ist eins, die Gesamtheit, das Potential, Chance, Geschenk
2 = Bewegung, Veränderung, es liegt etwas in der Luft, auf der Schwelle stehen
3 = Kreativität, Wachstum, die magische Zahl, Vollendung
4 = die materielle Welt, Sicherheit, Rahmen stecken, Stabilität
5 = Herausforderung, Krise, Pentagramm, Initiation, Veränderung, Loslassen
6 = alles sortiert sich, kommt ins Gleichgewicht, Harmonie, seinen Platz finden
7 = eine weiter magische Zahl, Spiritualität. Forschen, Magie, die innere Suche
8 = Ernte, der Jahreskreis, Manifestation, Erfüllung
9 = die 3 magische Zahl, innere Führung, Idealismus, Heilung
10 = Höhepunkt und Neubeginn
Große Arkana – Die Reise des Narren
Die großen Arkana, die Trumpfkarten, stellen Archetypen da, wie Narr, Magier, Hohepriesterin, Herrin und so weiter. Die Zählweise beginnt mit der 0 – Der Narr. Die folgenden Karten lassen sich in drei Stufen teilen. 1 – 7, 8 – 14 und 15 – 21. Sie sind als Initiations-Stufen bis hin zur Erleuchtung, zu verstehen. Im Druidentum gibt es in der Regel drei Stufen: Barde, Ovat und Druide. Vor jeder Stufe steht der Narr. Er beginnt seine Reise mit Urvertrauen, Potential und Instinkt, hat aber die Gegebenheiten der Welt und des Universums noch nicht entdeckt. Das ist das Ziel seiner Reise.
Wenn man mit dem Tarot beginnt, ist es ganz gut, sich die Karten einmal so vor sich hinzulegen und sie sich genau zu betrachten. Das macht deutlich wie komplex das Tarot das und wie wundervoll.
0 – Der Narr
Der Narr ist bereits zu Beginn seiner Reise mit seinem gesamten Potential ausgestattet. Im Urvertrauen, voller Neugierde macht er sich auf den Weg. Oft wird auf dieser Karte ein junger Mensch dargestellt, der ein Bündel trägt und den ein Hund begleitet. Das Bündel steht für seine Talente, sein Potential und der Hund für den Instinkt, der ihn vor dem Abgrund warnt.
1 – Der Magier
Der Magier hat das Wissen um die vier Elemente erworben, er hat die Grundprinzipien der Welt verstanden und weiß, wie daraus, das fünfte Element, der Spirit zu entfachen ist. Er steht für Inspiration, Kreativität, er weiß wie er die Dinge zu fließen bringt.
2 – Die Hohepriesterin
Sie steht für die innere Weisheit, die Anderswelt, das Unbewusste. Während der Magier für Bewegung steht, steht sie für Stille und Tiefe. Ihre Kraft zieht sie aus der Anderswelt, aus der Trance.
3 – Die Herrin
Die Herrin, oder Herrscherin, wird in vielen Tarots als Schwangere, umgeben von Getreide und Früchten, dargestellt. Genau dafür steht sie, für das Nährende, für Leidenschaft und Kreativität.
4 – Der Herr
Der Herr bringt die Struktur in die Welt. Er steht für Vaterschaft, Verantwortung und Autorität. Er weiß Grenzen zu setzen.
5 – Der Priester
Er ist der männliche Part der Priesterin. Er verkörpert Tradition, die Sinnsuche, Routine und Konformität. In gewisser Weise auch Dogma.
6 – Die Liebenden
Die Vereinigung von männlichen und weiblichen, von Bewussten und Unbewussten.
7 – Der Wagen
Die Entwicklung der Persönlichkeit, Herrschaft. Die Ausbildung des eigenen Willens und des Vertrauens auf ihn. Hindernisse werden überwunden. Sich den Herausforderungen stellen. Die Reise geht weiter.
8 – Die Stärke
In einigen Tarots auf die Kraft genannt. Mit dieser Karte beginnt der Narr seinen Weg auf der zweiten Initiationsstufe. Die Stärke symbolisiert bewusste Kraft, Weisheit und Mitgefühl. Die Fähigkeit die animalischen Instinkte und die Macht des Bewusstseins und des Mitgefühls zu paaren. Ein starkes Lebensgefühl.
9 – Der Eremit
Währen der Narr mit einem Hunde abgebildet wird, wird der Eremit von einem Wolf begleitet, er hält eine Laterne, denn er wählt seinen Weg im Bewusstsein seiner Erfahrungen und hält den Stab, die Verbindung zwischen Himmel und Erde in der Hand. Er ist dabei sich zurückzuziehen, in die Einsamkeit, in die Meditation.
10 – Das Rad
Vollendung und Neubeginn, Ernte, sich bewusst sein, dass alles immer in Bewegung ist. Numerologisch ist die Karten zehn mit dem Magier 1 und dem Narren 0 verbunden. Diese bezeichnet man als Komplementärkarten, die man immer mit im Blick haben sollte, da auch immer das Gegenstück, die andere Seite, mitschwingt.
11 – Die Gerechtigkeit
Die Kraft des wahren Verstehens und des daraus Handelns, Urteilsfähigkeit, Klarheit. Die Wahl haben und sich mit Klarheit entscheiden. Komplementärkarte: 2 – Die Hohepriesterin.
12 – Der Gehängte
Eine andere Sichtweise einnehmen, Das freiwillige Opfer. Der Weg aus der Krise, ist das Anerkennen der Krise. Umkehr der Werte und Einstellungen. Tiefer Eintauchen. Sich hingeben. Komplementärkarte: 3 – Die Herrin.
13 – Der Tod
Sich von Altem Lösen. Ein Transformation steht an, die gleichzeitig eine Initiation ist. Leidenschaft, Vorbereitung auf etwas Neues. Komplementärkarte: 4 – Der Herr
14 – Der Fferyllt
Klassisch „Die Mäßigkeit“. Der Fferyllt ist die Bezeichnung für eine druidische Alchemistin oder eines Alchemisten. Also jemand der Ausgleich sucht, Harmonie schafft und das Fließen zwischen den Welten beherrscht. Komplementärkarte: 5 – Der Priester
15 – Cernunnos
Im klassischen Tarot der Teufel, ein Konzept an das Hex und Druid nicht glauben. Cernunnos ist der gehörnte Gott des Waldes, der den Christen als Vorbild für den Teufel diente. Cernunnos ist der Herr der Tiere. Die komplementäre Karte sind die Liebenden. Während diese die Unbekümmertheit, die Vereinigung anzeigen, weist Cernunnos auf die Verantwortung hin, die daraus resultiert. Seine dunkle Seite kann in Besessenheit und Eifersucht ausarten. Komplimentärkarte: 6 – Die Liebenden
16 – Der Turm
Plötzliche Erleuchtung, eine Offenbarung, das Wegbrechen von vermeintlichen Sicherheiten. Der Blitzschlag der Erkenntnis. Die Arbeit an der Befreiung. Komplementärkarte: 7 – Der Wagen.
17 – Der Stern
Unter einem guten Stern stehen. Intuition, Offenheit, Gute Aussichten. In der Ruhe liegt die Kraft. Du musst einfach nur sein. Komplementärkarte: 8 – Die Kraft.
18 – Der Mond
Psychisches Erwachen, Träume, Ängsten begegnen. Rückzug. Im Mondlicht verändert sich die Sichtweise, der Weg scheint diffus, Entfernungen lassen sich schwer schätzen. Instinktives Fortbewegen ist eher angesagt, als Voranstürmen. Angst als Lehrer und Verbündeten sehen. Komplementärkarte: 9 – Der Eremit.
19 – Die Sonne
Optimismus, Strahlkraft, Erfolg, Zufriedenheit, spielerisch die Ziele erreichen. Energie und Klarheit sind die Wegbegleiter. Komplementärkarte: 10 – Das Rad
20 – Die Wiedergeburt
Sich neu erfinden, Entscheidungen treffen. Regeneration. Einen Ruf erhalten, einer Berufung folgen. Komplementärkarten: 2 – Die Hohepriesterin und 0 = Der Narr.
21 – Die Welt
Hier findet die Reise des Narren ihr Ende. Der höchste Punkt ist erreicht. Das innere und das äußere Leben finden sich in Einheit. Ein Moment der Ekstase. Vollkommenheit. Komplementärkarten: 2 – Die Hohepriesterin und 1 – Der Magier, aber auch die Herrscherin.
Hofkarten
Hier unterscheidet sich das Druidcraft Tarot vom klassischen leicht. Während im klassischen Tarot die Hofkarten als Buben, Ritter, Königinnen und Könige dargestellt sind, zeigt sich im Druidcraft mehr Ausgewogenheit zwischen männlich und weiblich und so sind die Buben und Ritter durch Prinzessinnen und Prinzen dargestellt. Die Hofkarten beziehen sich nicht auf das dargestellte Geschlecht, sondern stehen für die weiblichen und männlichen Anteile, die in jedem Menschen vertreten sind.
Prinzessinnen:
Das unerfüllte Potential des Elements für das sie stehen. Sie verkörpert den jungen Menschen und lernen. Als Personen stehen sie für Kinder, Jugendliche.
Prinzen:
Die Prinzen sind auf Pferden dargestellt, denn sie stehen für Bewegung, unterwegs sein, für die Entwicklung von sozialem Bewusstsein. Ihre Handlungen sind oft idealistisch geprägt.
Königinnen:
Kreativität, Mitgefühl, sie sind sich des Elementes, welches sie verkörpern, zu tiefst bewusst. Sie stehen für Inspiration und sind mit der Göttin in ihrem Aspekt als Quelle allen Lebens verbunden.
Könige:
Sie repräsentieren ihr Element und dessen Eigenschaften im Außen. Macht, Erfolg und Soziale Verantwortung sind weitere Aspekte
(Auszug aus dem Buch Acht Speichen hat das Rad von Karin Braun)

